Robert Schumann: Orchester- und Kammermusikwerke für Klavier zu vier Händen, Vol. 6


Schon die sechste und damit vorletzte CD seiner siebenteiligen, gemeinsam mit Joachim Draheim entwickelten Reihe mit vierhändigen Klavierarrangements Schumann’scher Orchester- und Kammermusikwerke legt das renommierte Klavierduo Eckerle (Mariko und Volker Eckerle) neuerdings vor. Und wieder handelt es sich ausnahmslos um Welt-Premieren bei den drei jeweils im August 2019 und 2020 im Konzerthaus Karlsruhe bzw. Hans-Rosbaud-Studio des SWR Baden-Baden aufgenommenen Werken….. Die Arrangements stammen von Robert und Clara Schumann selbst (op. 52, erschienen 1847), von Heinrich Enke, revidiert von Schumann (op. 100, erschienen 1854) und von August Horn (erschienen 1864). Dass sowohl die Versionen des Ehepaars Schumann als auch die der beiden Bearbeiter Enke und Horn von allererster Qualität sind, muss vielleicht eigens betont werden, um der Geringschätzung solcher ursprünglich für die Hausmusik und zum Kennenlernen der Werke bestimmten Bearbeitungen vorzubeugen. Beim Anhören spätestens verflüchtigt sich jedes solches Argument und weicht schierer Bewunderung – so ging es jedenfalls dem Rezensenten, der allerdings keine anderen Erwartungen gehegt hatte….. Dass die Klavierwiedergabe orchestraler Solostimmen stets etwas dünn ausfällt, versteht sich von selbst und ist zugleich das einzige unvermeidliche Manko dieser Aufnahmen. Dass jedoch das Stimmengeflecht des Orchesters in der Wiedergabe der Eckerles sogleich Klangfülle und Brillanz annimmt wird beim Hören evident. Hinzu kommt eine bewundernswerte Durchsichtigkeit, die auch bei massivster Akkordik erhalten bleibt. Die kräftige Thematik der Ouvertüre, die federnde Rhythmik des Scherzos und die bis zu strahlender Klangfülle gesteigerte Finalwirkung des Schlusssatzes von Op. 52 erscheinen pianistisch vollkommen beherrscht und überzeugend. Die Interpretation der Ouvertüre op. 100 lässt aufhorchen in der differenzierten Wiedergabe sowohl der dramatischen Stimmungen als auch elfenhafter Klänge und ernster Kontrapunktik. Wer etwa am Wert des Stückes noch gezweifelt haben sollte, wird von seiner hohen Bedeutung überzeugt. Ein so allgemein bekanntes Werk wie das a-Moll-Klavierkonzert entfaltet eine sich kontinuierlich steigernde Brillanz, wobei der Hörer erstaunt ob der orchestralen Wucht der Darbietung, unter der dennoch die durchhörbare Klarheit des Klanges nicht leidet (man fragt sich stellenweise ernsthaft, wie solche Klangpracht auf den berühmten 88 Tasten nur eines Klavieres Platz findet!). Auch der filigrane Mittelsatz und das unglaublich vielschichtige Finale kommen voll zu ihrem Recht, so dass man dieser Wiedergabe die Krone der Veröffentlichung zuerkennen kann und jeden Schumannianer zum Erwerb dieser CD auffordern möchte, die mit Unterstützung der RSG Düsseldorf publiziert wurde.